Mannitol – eine Alternative zum Glaubersalz?

Fasten ohne Glaubersalz?

Ist Mannitol eine Alternative zum Glaubersalz, um die Darmentleerung zu Beginn einer Fastenkur einzuleiten? Was genau verbirgt sich dahinter?

Der Einstieg in die Fastenzeit wird in den Kursen der meisten meiner Kolleginnen und Kollegen durch die Einnahme von Glaubersalz eingeleitet. Diese radikale Form der Darmentleerung führt nach meinen Erfahrungen oft zu starker Übelkeit und einer extremen Kreislaufschwäche, denn es bedeutet Stress für den Körper.

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Einige meiner Teilnehmer waren nach der Einnahme des Salzes für ein bis zwei Tage regelrecht „außer Gefecht“ und konnten nicht an unserem Wanderprogramm teilnehmen. Diese Erfahrungen haben mich dazu bewogen, die Einnahme des Glaubersalzes als Notwendigkeit beim Fasten in Frage zu stellen. Der Erfahrungsaustausch mit Kolleginnen und Fastenärzten bestärkte mich in meiner Ansicht, eine sanftere Form der Darmentleerung zu empfehlen.

Viele meiner Fastenkursteilnehmer finden den Geschmack des Glaubersalzes an sich schon fürchterlich. Auch aus diesem Grunde war für mich die Suche nach einer besser schmeckende Alternative lohnend.

Was ist Mannitol?

Mannitol (auch als Mannit bezeichnet) ist ein Zuckeralkohol (ebenso wie Xylit oder Erythrit). Zuckeralkohole schmecken süß und haben eine abführende Wirkung bei mehr als 20-30g Tagesdosis. Sie erhöhen nicht den Blutzuckerspiegel und brauchen kein Insulin um abgebaut zu werden. Das Süßungsmittel ist daher auch für Diabetiker geeignet.

Mannitol ist natürlichen Ursprungs und kommt vorwiegend in Salzpflanzen (Halophyten) vor, aber auch in Pilzen und Algen, Feigen und Oliven. Der Name stammt vom süßen Saft („Manna“) der Manna-Esche, die in Süditalien in Plantagen angebaut wird. Die Pflanze ist im östlichen Mittelmeergebiet beheimatet.  Der als Heildroge dienende Saft (Manna canelata) wird durch Einschnitte in die Rinde der 8-10 Jahre alten Bäume gewonnen und an der Luft getrocknet. Der Saft enthält bis zu 90% Mannitol.

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Mannitol wird als Zuckeraustauschstoff mit der Zusatzstoffnummer E421 verwendet und wird mit Hilfe von Enzymen aus Fruktose hergestellt. Das Süßungsmittel ist relativ teuer und wird daher nur begrenzt als Zuckeraustauschstoff verwendet. Besonders in der veganen und vegetarischen Küche ist Mannitol  beliebt. Der Stoff spielt auch als Füll- und Bindemittel für die Tablettenherstellung eine Rolle. Heute wird Mannitol meist durch Hydrierung von Glucose oder Invertzucker gewonnen.

Mannitol wirkt osmotisch. Das bedeutet, es wird kaum im Darm resorbiert, sondern hält dort Wasser zurück. Dadurch wird der Darminhalt vermehrt und die Peristaltik (die Bewegungstätigkeit des Darms) stimuliert. Dies wirkt harntreibend und abführend. Mannitol fördert die Wasserausscheidung des Körpers mit dem Harn und das Ausschwemmen von Salzen, wirkt daher blutdrucksenkend und unterstützt die schnelle Ausscheidung von Giftstoffen. Allerdings wirkt das Mittel nur schwach abführend, es muss daher viel Wasser dazu getrunken werden, wenn es wirken soll.

Nebenwirkungen sind nicht bekannt, bei empfindlichen Personen kann das Mittel aber in seltenen Fällen Erbrechen auslösen. Alles in Allem ist Mannitol meiner Ansicht nach eine gute Alternative zum Glaubersalz, bei dessen Einnahme wesentlich häufiger Übelkeit auftritt und als weiterer, nicht unerheblicher Nachteil das Ausschwemmen von Elektrolyten zu nennen ist.